Um zukunftsfähig zu bleiben, benötigt der ländliche Raum engagierte Jugendliche. Doch wie tickt die Jugend? Wie kann Jugend in Vereinen, Politik und Gesellschaft beteiligt werden?

In der Tagung „Ideen zur Weichenstellung in Unternehmen und Familien“ gingen Manfred Walter (Landessekretär der Evangelischen Landjugend) sowie die Ehrenamtlichen Sophia Meyer (Agrarsozialer Arbeitskreis der ELJ) und Elias Kamm (Kreisverband Weißenburg der Evangelischen Landjugend) im EBZ Pappenheim diesen Fragen nach.

Manfred Walter machte dem landwirtschaftlichen Fachpublikum deutlich, dass Jugend eine Zeit mit vielen Herausforderungen ist. Junge Menschen müssen sich sozial und beruflich qualifizieren und selbständig werden. Was es bei früheren Jugendgenerationen nicht gab, ist die „Selbstpositionierung“: Über Musik und Konsum positionieren sich Jugendliche in der Gesellschaft. Dementsprechend gelten Kaufentscheidungen, also die Frage nach der Jeansmarke oder dem Smartphone als persönliche Bekenntnisse. Der Zwang zur Selbstpositionierung besteht, seit Kinder als Konsumenten eine wichtige Zielgruppe sind und beginnt spätestens in der Grundschule. Fachleute sprechen in diesem Zusammenhang vom „Verschwinden der Kindheit“.

Auch aus anderen Gründen hat sich das Leben der Jugend gegenüber früher verändert: Jugend pflegt mit Internet und Smartphone ein virtuelles Leben und wächst auf im Bewusstsein der ständigen Verfügbarkeit dieser virtuellen Räume. Das habe auch Auswirkungen darauf, wie junge Menschen die Welt sehen.

Wie Walter feststellte, ist eine Beteiligung von Jugendlichen in gesellschaftlichen und politischen Prozessen immer ergebnisoffen. Man müsse die Vorstellungen junger Menschen akzeptieren und wertschätzen – auch wenn sie nicht den eigenen Vorstellungen entsprechen. Wichtig ist es, im Dialog mit Jugendlichen die eigenen Werte zu kommunizieren – und das Verhalten von Jugendlichen nicht zu bewerten, sondern die Rolle des Beobachters einzunehmen.

In der Diskussion mit Sophia Meyer und Elias Kamm kam die Möglichkeit der Beteiligung junger Menschen, zum Beispiel an politischen Prozessen, zur Sprache. Untersuchungen ergaben, dass sich gut 40 % der jungen Menschen für Politik interessieren, aber über 70 % glauben, dass sich Politiker nicht darum kümmern, was junge Leute denken. Die Erfahrungen der Tagungsteilnehmer zeigten, dass viele junge Leute für eine Kandidatur oder ein Ehrenamt zu begeistern sind. Allerdings können viele Jugendliche nicht abschätzen, ob sie über eine ganze Wahlperiode am Ort bleiben können.

Auch Meyer und Kamm leben wegen der Ausbildung nicht mehr am Heimatort, möchten aber nach der Ausbildung wieder in Region zurückkehren.