ELJ-Fachgespräch mit Juso Vorsitzendem Kevin Kühnert

(Pappenheim) – Unterschiedlicher hätten die Erfahrungshorizonte kaum sein können: Auf der einen Seite Kevin Kühnert, Juso-Bundesvorsitzender und SPD-Youngster, aufgewachsen im urbanen Berlin, engagiert als Schülersprecher und Begleiter von Kindern und Jugendlichen in Verfahren der Stadteilentwicklung, auf der anderen Seite Vertreter der Evangelischen Landjugend (ELJ) mit ihren Erfahrungen von Dorfkultur, weiten Wegstrecken und Demographischem Wandel. In Pappenheim trafen sich ELJ und SPD-Vertreter zum Fachgespräch darüber, wie junge Menschen an der Entwicklung ihrer Heimat beteiligt werden können.

Dass bei allen Gestaltungsprozessen der Gesellschaft die Belange junger Menschen zu berücksichtigen sind, war in der Runde klar. Wie jedoch junge Menschen für die manchmal mühsamen Prozesse gewonnen werden können und wie ihre Interessen im politischen Prozess durchgesetzt werden, darüber gingen die Erfahrungen auseinander. „In der ELJ setze ich mich zusammen mit anderen jungen Leuten politisch nach christlichen Werten mit den aktuellen Themen auseinander“, erklärte Leni Meermann, stellvertretende ELJ-Landesvorsitzende. Einen Widerspruch zur Jugendkultur in ihrem Dorf sah sie dabei nicht. „Bei der Rockparty unserer ELJ war ich natürlich mit dabei.“ Mehr als 2.500 Stunden ehrenamtliches Engagement junger Menschen steckten in diesem Event.

Landjugendpfarrer Gerhard Schleier betonte den Wert, den Jugendverbände für die demokratische Bildung hätten: „Wenn junge Menschen erleben, dass ihr Tun etwas bringt, lernen sie automatisch unsere Gesellschaft zu gestalten.“ Harald Dösel, SPD Landtagskandidat forderte genau dies auch von der Schule: „Zwei Wochenstunden Sozialkunde sind dafür zu wenig.“ SPD-Bezirksrätin Christa Naaß verwies auf das Projekt „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ als guten Ansatz für demokratische Bildung in den Lehranstalten.

Grundsätzlich müsse aber noch viel passieren, um Jugend und Politik näher zusammenzubringen. ELJ-Jugendreferentin Franziska Schmidt forderte, die Sprache der Jugend und der Politik jeweils zu übersetzen. Jugendbeteiligung dürfe auch nicht vom Wohlwollen der Bürgermeister abhängen, meinte ihre Kollegin Simone Grill. „Jugendbeteiligung muss in der Bayerischen Gemeindeordnung verankert werden, so wie der Bayerische Jugendring das fordert.“ Den Fragen der Jugend könne man nicht in zwei, drei Sitzungen Jugendhilfeausschuss gerecht werden, fand auch Christa Naaß.

Wie es bessergeht, zeigte Kevin Kühnert am Beispiel seiner Heimatstadt auf. „In Berlin hat jeder Bezirk ein mit Fachkräften ausgestattetes Büro für Kinder- und Jugendbeteiligung“. Selbst Vorschulkinder könnten in die Planung mit einbezogen werden. „Für einen Spielplatz haben wir Kindern Knetmasse gegeben und sie ihre Wünsche modellieren lassen. Mit den kleinen Kunstwerken sind wir zu unseren Architekten und Fachplanern gegangen, die diese Entwürfe in statisch sichere Planungen umgearbeitet haben.“ Selbst Kinder könnten so lernen, dass das Gemeinwesen nur funktioniert, wenn alle dahinterstehen. Dass die Politik diese Anstrengungen effektiver unterstützen müsse, nahm der Juso-Vorsitzende mit in die Hauptstadt. „Mit Familienministerin Franziska Giffey arbeiten wir daran, neben der Projektförderung auch die Infrastruktur der Jugendverbände stärker zu unterstützen.“