Wie können junge Menschen ihre Heimat wirksamer mitgestalten? Experten aus Wissenschaft und Praxis berieten in einer Fachtagung im EBZ Pappenheim über neue Formate und Kooperationsmodelle. Die Arbeit der Landjugend bietet dafür noch jede Menge Potenzial.

„Demokratie ist mehr als eine Herrschaftsform“, erklärte Prof. Dr. Rico Behrens, Inhaber des Lehrstuhls für politische Bildung an der Katholischen Universität (KU) Eichstätt-Ingolstadt. Sie sei gleichzeitig Gesellschafts- und Lebensform, gerade auch für junge Menschen. Der Wissenschaftler kritisierte die Engführung des Politikbegriffs auf das Parteiensystem. Hier sei das Vertrauen von Jugendlichen tatsächlich schwach ausgeprägt. Die Begeisterung für Bewegungen wie Fridays for Future oder das hohe Engagement etwa im sozialen Bereich hingegen zeige, dass politische Partizipation neu gedacht werden müsse.

„Junge Menschen leben gern auf dem Land“, stellen Maria Stöckl und Teresa Schäfer von der Katholischen Landjugendbewegung fest. In der Studie „Stadt. Land. Wo? Was die Jugend treibt.“ hatten sie 447 junge Menschen über das Verhältnis zu ihrer Heimat befragt. „Wirklich unzufrieden sind junge Leute mit der politischen Beteiligung“, erklärten sie. Der Satz „Man könnte hier etwas verändern, wenn die jungen Menschen mehr gefragt würden“ sei auf große Zustimmung gestoßen.

„Ländliche Räume sind zukunftsfähig, wenn es gelingt, mit jungen Menschen gemeinsam und ergebnisoffen die gesellschaftlichen Herausforderungen zu bearbeiten“, erklärte Manfred Walter, Landessekretär der Evangelischen Landjugend. Landjugendgruppen sah er als ideales Lernfeld, weil hier junge Menschen ihren Alltag im Dorf demokratisch gestalten. In den Maßnahmen ländlicher Entwicklung, wie etwa der Dorferneuerung sah er Möglichkeiten, diese Kompetenzen stärker einzubringen.

Thomas Sporer, Leiter der Stabsabteilung Bildungsinnovation und Wissenstransfer der KU sah in der Expert_innenrunde einen ersten Schritt. Von der Evaluation bestehender Projekte und Arbeitsformen über die Fachkräfteförderung bis zur konzeptionellen Weiterentwicklung gäbe es ein breites Feld möglicher Kooperationen. In einem Workshop im Mai sollen die Ideen konkretisiert werden.