Die Auswirkungen des Ukraine-Kriegs auf Landwirtschaft und Lebensmittelversorgung sind bedrohlich. Eines vorab: In Deutschland gilt die Versorgung als gesichert.

In der Ukraine sollen – zumindest für dieses Jahr – noch ausreichend Lebensmittel für die Bevölkerung vorhanden sein. Allerdings steht die Landwirtschaft unter einem massiven Druck. Es kursieren Berichte, nach denen in den besetzten Gebieten die Tiere nicht gefüttert oder gemolken werden können. Ein Riesenproblem ist, neben Engpässen bei Dünger und Saatgut, der Mangel an Diesel, da dieser im Krieg benötigt wird. Die Aussaat auf den Feldern ist gefährdet und starke Ernterückgänge werden erwartet.

Ungefähr 30 % der weltweiten Exporte an Weizen kommen aus der Ukraine und Russland. Auch Gerste, Sonnenblumenöl und Mais sind wichtige Exportprodukte. Lieferungen aus Häfen wie Odessa funktionieren nicht mehr. Weltweit ist ein Anstieg der Preise für Getreide zu beobachten.

Am meisten davon betroffen sind arme Länder, die auf Getreideimporte angewiesen sind. Dazu zählen Ägypten, Tunesien, Äthiopien, Uganda, Kenia und andere. Es wird zusätzlich mit bis zu 100 Millionen Hungernden gerechnet. Das seit langem bestehende strukturelle Problem der Armut und damit des Hungers, das die Welt nicht in den Griff bekommt, wird verstärkt durch die Auswirkungen des Krieges. Hier geht es nicht ohne kurzfristige Hilfe.

Zurück zur deutschen Landwirtschaft. Steigende Preise für Dünger und Treibstoff belasten die Landwirte. Denn Russland ist beispielsweise einer der Hauptexporteure für Kali und wichtiger Erzeuger weiterer Düngemittel. Und da die Erzeugung von Düngemitteln Energie benötigt, hängt der Düngerpreis auch vom Energiepreis ab.

Um die Versorgung mit Futtermitteln zu sichern, dürfen in diesem Jahr in Deutschland Futtermittel auf ökologischen Vorrangflächen anbaut werden. Es handelt sich um 1,23 Mio. Hektar Fläche.

Die bekannte Diskussion „Teller – Tank – Trog“ nimmt wieder Fahrt auf. Denn eine globale Reduktion der Energieerzeugung aus Getreide könnte kurzfristig mehr Getreide für die menschliche Ernährung bereitstellen. Alleine in Deutschland werden 9 % der Getreideerzeugung energetisch genutzt.

60 % des in Deutschland erzeugten Getreides wandert in die Futtertröge. Hier wäre eine kurzfristige Umstellung nicht möglich. Das Thema Fleischkonsum taucht an dieser Stelle wieder auf.

Weitere Diskussionspunkte in Deutschland sind die Unabhängigkeit von Lebensmittelimporten und die Frage, ob die heimische Landwirtschaft noch stärker intensiviert und dafür weniger ökologisch ausgerichtet werden soll. Es schließt sich die Frage nach der Bewältigung der Klimakrise an, die keinesfalls vergessen werden darf.

Warum gilt die Ukraine als Kornkammer? Es sind die Schwarzerde-Böden, die das Land so fruchtbar machen. Schwarzerde entsteht durch ein Zusammenwirken von Klima, eiszeitlichen Ablagerungen und Bodenleben. Auch der Feldhamster leistet seinen Beitrag. Was sich die Schöpfung nicht alles hat einfallen lassen. Siehe dazu den Video (2 min): https://www.swr.de/wissen/1000-antworten/warum-waechst-in-der-ukraine-so-viel-getreide-100.html

Zum Schluss: Krisenzeiten wie diese befördern ein Schwarz-Weiß-Denken, obwohl nach der Lebenserfahrung die Wahrheit eher im Bereich der Grautöne liegt. Im Vertrauen auf die Objektivität der Quellen wurden diese Infos vom ELJ-Agrarreferenten Peter Schlee zusammengestellt, wegen der Kurzlebigkeit der Infos ohne Links bzw. Quellenangabe.

Am 30.03.2022 gibt es in Triesdorf eine Abendveranstaltung genau zu diesem zu Thema mit aktuellen Informationen.