Facebook und Internet gewinnen in der landwirtschaftlichen Öffentlichkeitsarbeit weiterhin an Bedeutung. Um die damit verbundenen Chancen und Risiken auszuloten, haben der Agrarsoziale Arbeitskreis der Evangelischen Landjugend und die Schulseelsorge Triesdorf zu einem Abendseminar eingeladen. Dr. Michaela Neff von der Technikerschule Triesdorf sowie der Landwirt und ASA-Landesvorsitzende Tobias Volkert standen den gut 100 jugendlichen Zuhörern Rede und Antwort.
In ihrem Vortrag erklärte Frau Dr. Neff, dass Tierschutz, Umweltschutz und Klimaschutz zu den zentralen Wertvorstellungen unserer Gesellschaft gehören. Landwirte sollten sich diese Haltung zu eigen machen und versuchen, sich in ihr Gegenüber hineinzudenken. Grundsätzlich kommen diese Wertvorstellungen den bayerischen Landwirten zu Gute, da hier die Landwirtschaft mit hohen Standards arbeitet. Es ist wichtig zu wissen, dass die Netzgemeinde beim Blick ins Internet das Unerwartbare erwartet. Um Aufmerksamkeit zu erzielen, stehen deshalb die Vermittlung von Emotion und die Darstellung von Personen im Vordergrund. Was außerdem zählt, sind die Konzentration auf das Wesentliche und eindeutige Formulierungen, um Mißverständnisse zu vermeiden.
Selbst kleine Fehler in der Kommunikation können dabei große Auswirkungen auf die eigene Glaubwürdigkeit haben. Beispielsweise stellt das Foto eines liegenden Tieres für Landwirte eine entspannte Situation dar. Verbraucher könnten das Foto jedoch anders interpretieren und auf eine Krankheit schließen. Letztlich ist es nicht vorhersehbar, in welcher Zahl und Qualität die Leser auf eine Meldung in Facebook reagieren. Es kann auch unerwarteterweise eine hitzige Diskussion ausgelöst werden, beispielsweise wenn sich Tierrechtsorganisationen zu Wort melden. Hier empfiehlt die Referentin, sich nicht zu Kommentaren und Äußerungen hinreißen zu lassen, welche fachlich nicht fundiert sind. Es ist anzuraten, sich erst einmal zurückzuziehen.
Der Landwirt Tobias Volkert berichtete, dass er seit 2012 unter dem Namen „Milchviehbetrieb“ in Facebook Öffentlichkeitsarbeit betreibt. Auch wenn es zeitlich aufwendig ist, so reizt es ihn, eine Öffentlichkeitsarbeit nach eigenen Vorstellungen zu machen. Auf seiner Facebook-Seite berichtet Volkert vor allem von Ereignissen im Stall und erklärt anstehende Feldarbeiten. Mittlerweile haben seine Leser durch insgesamt 3000 Likes ihre Sympathie bekundet.
Der ursprüngliche Wunsch, eine Seite für Verbraucher zu machen, hat sich jedoch nicht verwirklichen lassen. Es sind vor allem Berufskolleginnen und –kollegen sowie Menschen aus der Agrarszene, die seine Beiträge schätzen. Dabei hat er auch schon Kritik aus den eigenen Reihen zu spüren bekommen, als er eine Fotostrecke über das Kalben einer Kuh veröffentlichte.
Mehrere schlaflose Nächte hat ihm jedoch ein Shitstorm gekostet. Vor nicht allzu langer Zeit erreichten ihn nach einem liebevoll gemeinten Beitrag über Kuh und Kalb Hunderte von zum Teil bitterbösen Kommentaren von sogenannten Tierschützern. Dieser massive persönliche Angriff konnte ihn nicht von seinem Projekt abbringen. Volkert hat daraus gelernt und legt inzwischen noch viel mehr Augenmerk auf die Auswahl der Fotos. Dadurch soll landwirtschaftkritischen Menschen oder Organisationen keine Angriffsfläche geboten werden.

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