Die jüngsten Ereignisse in bayerischen Städten verunsichern viele junge Menschen – auch in der Evangelischen Landjugend. Der Kreisverband Rothenburg hatte eine geplante Fahrt nach München abgesagt, auch in Ansbach hat sich die Sorge um das Wohlergehen von Freunden und Familienmitgliedern ausgebreitet.

Gerhard Schleier, Landjugendpfarrer der Evangelischen Landjugend ruft angesichts dieser Ereignisse zu Ruhe und Besonnenheit auf:

„Ich schreibe diese Zeilen in einem Zug. Seit dem Axt-Attentat bei Würzburg fahre ich mit einem mulmigen Gefühl mit der Eisenbahn und bin froh, wenn im Abteil nur wenige Menschen sitzen und dösen. Am Hauptbahnhof steige ich aus und bin irritiert über die vielen Menschen: hoffentlich ist da keiner mit einem Rucksack, wo was anderes als die Schulsachen oder Wandergepäck drin ist – seit Ansbach habe ich dieses Gefühl. Geschrei macht mich unruhig – es könnte ja einer mit einer „Langwaffe“ unterwegs sein, das habe ich durch München gelernt.

Muss das sein, dass wir uns so irritieren lassen?

Viele gehen jetzt auf Ursachenforschung. Und, wie so oft in letzter Zeit, sind’s dann ganz schnell die Flüchtlinge. So einfach ist es aber nicht. Im Zug nach Würzburg war es ein vollkommen frustrierter Jugendlicher, der den Islam falsch verstanden hat. In München ein Jugendlicher, den alle abgelehnt haben – und der jetzt einmal im Leben Aufmerksamkeit erfahren will. Und in Ansbach einer, der Angst hatte, wieder in sein Herkunftsland zu müssen und deshalb mit seinem Leben abgeschlossen hatte.

Allein diese Sätze erfordern ein gewisses Maß an genauem Hinschauen. Besonnenheit nennen das manche. Der Apostel Paulus weist in seinem zweiten Brief an Timoteus darauf hin: „Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.“

Und deshalb kümmern wir uns in der Evangelischen Landjugend um möglichst viele, möglichst unterschiedliche Menschen – und suchen in der Gruppe nach Möglichkeiten, wie sie mit ihren Gaben einen Platz finden und ausfüllen können. Auch in Bezug auf Geflüchtete versuchen wir, so zu handeln: indem wir auf sie zugehen und sie nach Kräften unterstützen. Weil sie Menschen sind wie wir, die im Leben einfach Sicherheit und Anerkennung brauchen.

Unsere Gedanken sind aber auch bei den Opfern dieser schrecklichen Attentate. Wir schließen sie, ihre Familien und Freunde, sowie alle, die trauern und in Sorge sind in unser Gebet ein.

Wir handeln so, weil wir das in unseren Familien, in unseren Gemeinden, in unserem Umfeld, auch in unserer Landjugend so gelernt haben. Und schließen uns ausdrücklich folgender Meinung an:

„Verbrechen sind keine Frage der Nationalität, sondern der Kinderstube und Erziehung“, so Polizeisprecher München, Marcus da Gloria Martins.

Deshalb lasst uns besonnen bleiben und voller Kraft und Ruhe durch unser Leben gehen!“

Gerhard Schleier, Landjugendpfarrer

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