Am vergangenen Sonntag begrüßte der ELJ Kreisverband Ansbach fast 100 Gäste zu einem Erzählcafé im Festsaal des Bezirksklinikums. 

„Mit der Veranstaltung ‚Himmlers SS und seine Kinder in Ansbach‚ wollen wir vor allem über die Geschehnisse um Lebensborn aufklären“, erklärt Sebastian Lieret, Vorsitzender des Kreisverbandes. Mit dem Erzählcafé knüpfen die Mittelfranken an der letztjährigen Gedenkveranstaltung „Orte des Grauens“ an.

Zeitzeugen für Gespräch

Als Gesprächspartner konnte die ELJ zwei ehemalige Lebensbornkinder für die Veranstaltung gewinnen: Gudrun Sarkar und Eberhardt Enger erzählen über ihre Erlebnisse in den Kinderheimen, die von der SS zwischen 1936 und 1944 zuerst in Deutschland betrieben wurden. Am Bocksberg in Schalkhausen und in zwei Gebäuden der Heil- und Pflegeanstalt richtete die SS Reichsführung sog. Ausweichkinderheime ein, welche die Bezeichnung „Franken I und II“ führten. Später richtete die SS auch in anderen besetzten Gebieten etwaige Häuser ein. Vorwiegend Säuglinge aus luftgefährdeten Gebieten wurden dort evakuiert. Wie viele Kinder damals nach Ansbach verlegt wurden, lässt sich nicht genau beziffern.

Wir gehörten zu einer auserwählten Menschengruppe – aber nur im negativen Sinne. Wir waren Nazikinder, Hitlerkinder oder Bastarde.
(Gudrun Sarkar)

Und wie geht es weiter?

„70 Jahre nach Kriegsende sollte man meinen, Äußerungen wie eine unterschiedliche Qualität in Hinblick auf Herkunft, Aussehen und Kultur, gehören der Vergangenheit an“, stellt Bezirksreferentin Regina Wenning fest. Aber mit rechtspopulistischen Äußerungen wie der „Schutz der deutschen Rasse“ oder des „Abendlandes“, nähme die „Hetzjagd auf die Demokratie neue Formen“ an. Mit dem ELJ Projekt Plurability leiste der Jugendverband einen wichtigen Beitrag, „damit sich die Geschichte nicht wiederhole“.

Radiobeitrag auf www.efa-radio.de

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Informationen unter plurability.de

Infobox zu "Lebensborn"

Zwischen 1944 und 1945 befanden sich in Ansbach zwei Lebensborn-Kinderheime. Die SS Reichsführung installierte sog. Ausweichkinderheime, welche die Bezeichnung „Franken I und II“ führten. Unter dem Leitspruch „Heilig soll uns sein jede Mutter guten Blutes“ rief Heinrich Himmler 1935 den Verein „Lebensborn e.V.“ ins Leben. Unter dem Deckmantel solider Fürsorge entstanden die Entbindungsheime, in denen ledige Frauen ihre Kinder anonym zur Welt bringen konnten. Von diesem Vorgehen versprach sich Himmler, der als Chef von Waffen-SS, Gestapo und Polizei für die skrupellose Organisation des Holocaust verantwortlich war, einen deutlichen Bevölkerungszuwachs. Trotz seiner ausgeklügelten Maßnahmen stieg die Geburtenrate nicht in dem Umfang an, sodass sein Plan von hunderttausend Mann starken Armeen nicht umgesetzt wurde. Das altdeutsche Wort „Born“ wird in der Literatur mit Brunnen oder Quelle übersetzt, somit bedeutet der Lebensborn auch Lebensbrunnen oder die Lebensquelle.
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