Mehr Offenheit: Vernetzungsarbeit der Evangelischen Jugend wird immer wichtiger

„Evangelische Jugendarbeit muss sich ihrer Vielfalt konzeptionell stärker bewusst werden“, sagte Manfred Walter, Landessekretär der Evangelischen Landjugend (ELJ), auf dem Podium der hauptberuflichen Landeskonferenz der Evangelischen Jugend in Bayern (EJB). Es dürfe nicht sein, dass verschiedene Träger immer noch als Konkurrenz verstanden würden. „Jeder Verband hat sein Spezifikum und durch diese unterschiedlichen Profile ergibt sich das vielfältige Gesamtbild der EJB“, brachte Walter am Podium zum Thema „Evangelische Jugendarbeit – offen für alle? Verschiedene Zugänge in unserer Arbeit“ ein. Eine bessere Vernetzung und ein gutes Miteinander der verschiedenen Jugendverbände seien für die Zukunft unabdingbar. Michael Götz, Generalsekretär des Christlichen Vereins Junger Menschen (CVJM) in Bayern, bestätigt diesen Aufruf und betont die Basis der Zusammenarbeit: „Unser gemeinsames Profil ist Jesus Christus.“ Er betonte, die grundsätzliche Bedeutung von Jugendarbeit: „Die Kirche ist nur eine Generation von ihrer Auflösung entfernt“. Die Verbände der ELB böten dabei jungen Menschen durch ihre spezifischen Angebote verschiedene Zugänge zu ihrem persönlichen Christsein.

Dörflich oder regional orientiert?

Mit Blick auf die ELJ bezeichnete Walter den Glauben als handlungsorientiert. Dies werde durch viele gelebte Traditionen deutlich: Binden der Erntekrone, Planen einer Waldweihnacht oder Gestalten von Gottesdiensten.

Für den Landessekretär ist die Besonderheit der ELJ der ländliche Raum: „Uns gibt es in 180 Ortsgruppen, in der Stadt hingegen sind wir nicht vertreten.“ Walter zitierte den Regionalforscher Albert Herrenknecht. Der Wissenschaftler unterscheidet Jugendliche in ländlichen Räumen mit und ohne Dorf-Bezug. Jugendliche mit Dorf-Bezug fühlten sich demnach mit ihrer Heimat stark verbunden und engagieren sich bei dörflichen Ereignissen. Sie seien Hauptzielgruppe von Landjugendarbeit und anderen Dorfvereinen. Jugendliche ohne Dorf-Bezug hingegen hätten einen regionalen und jugendkulturellen Bezug und würden sich in ihrer Region oder der nächstgrößeren Stadt einsetzen. Diese Jugendlichen seien eine typische Zielgruppe für die Evangelische Jugend im Dekanat, differenzierte Walter.

Zum Abschluss der Podiumsdiskussion ist allen Beteiligten klar: Evangelische Jugendarbeit in Bayern muss offen für alle sein und darf nicht ausgrenzen. Diese Aufgabe kann nur gelingen, wenn gemeinsam danach gefragt wird, was die Jugend braucht. Junge Menschen stecken in unterschiedlichen Lebenssituationen und haben differenzierte Bedürfnisse, deshalb muss die Frage der EJB an die Jugendlichen lauten: ‚Was können wir für euch tun?‘ Die Antworten darauf sollte gemeinsam gesucht werden, damit kein Jugendlicher durchs Raster fällt.

Simone Grill