„Die Integration von jungen Flüchtlingen ist eine Herausforderung, der sich ländliche Räume mit besonderem Engagement stellen müssen. Neben dem Aufbau von Strukturen und Qualifikationen gehe es um die Vernetzung aller beteiligen Akteure.“ Dieses Fazit zog der Fachkreis Evangelische Jugend in ländlichen Räumen (ejl) der Arbeitsgemeinschaft evang. Jugend in Deutschland e. V. nach Abschluss seiner Beratungen am Rande des Zukunftsforums ländliche Entwicklung des Bundeslandwirtschaftsministeriums in Berlin. ELJ Landessekretär Manfred Walter und aej-Referent Dr. Karsten Schulz hatten für das Expertenhearing die Begleitveranstaltung „Angekommen?! Junge Flüchtlinge in ländlichen Räumen“ organisiert.

Welche Belastungen junge Flüchtlinge bei ihrer Ankunft im Gepäck hätten, machte Burkhardt Wagner, Referent der Evangelischen Jugendsozialarbeit in Bayern (EJSA) in seinem Beitrag deutlich. Die Krankheitsrate bei psychischen Belastungsstörungen liege mit 40 % deutlich über der Quote erwachsener Flüchtlinge. Aggression, körperliche Beschwerden, sozialer Rückzug oder Drogenabhängigkeit können die Folge sein. Gerade auf dem Land fehlen dafür Behandlungsmöglichkeiten.

Wie viel Evangelische Jugendarbeit in ländlichen Räumen bereits heute für junge Flüchtlinge tut, wurde bei der Vorstellung von Praxisprojekten deutlich. Die Beispiele reichten von der interkulturellen Öffnung von Jugendgruppen über die Publikation von Arbeitshilfen, die Vernetzung lokaler Akteure bis hin zu konkreten Kooperationsprojekten wie dem „International Gardening“ der Landesarbeitsgemeinschaft Jugendsozialarbeit Bayern, bei dem Jugendliche mit und ohne Fluchthintergrund gemeinsam am Gemüsebeet aktiv werden.

Dass die Integration von Flüchtlingen als dauerhafter Teil regionaler Entwicklung zu sehen ist und der ländliche Raum dafür viele Ressourcen bietet, betonte Dietmar Horn, Grundsatzreferent im für die Stadtentwicklung zuständigen Ministerium Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit. Gerade auf dem Hintergrund des demographischen Wandels sah Horn im Gelingen von Integration eine wichtige Chance. Insbesondere die Städte in ländlichen Raum spielten dabei eine bedeutende Rolle.

Bereits in der Eröffnungsveranstaltung des Zukunftsforums tags zuvor hatte Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt den Zusammenhang von ländlicher Entwicklung in Deutschland und Entwicklungshilfe weltweit thematisiert: „Wir werden nicht herumkommen, dass wir unsere Erfahrungen vom Gelingen ländlicher Räume auch in die Länder zu tragen, aus denen die Flüchtlinge kommen.“

Deutlich wurde jedoch auch, dass bei allem Engagement die Bemühungen erst am Anfang stehen. Ob Jugendmigrationsdienste, Asylberatungsstellen mit Jugendkompetenz, Integrationsklassen, Therapeuten oder Integrationsmanager – gerade auf dem Land ist die Versorgung unzureichend. Die Mitglieder des Fachkreises waren sich einig, dass die wichtigste Voraussetzung zur Lösung dieses Problems die innere Bereitschaft ist, Migration als Gewinn für ländliche Räume zu sehen.

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