PAPPENHEIM (ley) – Die Überschrift dieses ersten Fachtags seiner Art im Evangelischen Bildungs- und Tagungszentrum (EBZ) Pappenheim konnte durchaus für einen leichten Schreckmoment sorgen, lautete sie doch: „Asylanten kommen!“ Doch die provozierende Überschrift sollte nur Aufmerksamkeit erregen – die Veranstaltung diente der Vernetzung jener, die sich für Flüchtlinge engagieren.

Die diversen Krisen der Erde lassen erahnen, dass man auch hierzulande wohl erst am Fuße eines Berges großer Herausforderungen steht. Deswegen hatte das diakonische Werk in Bayern im vergangenen Herbst sich schon für eine gesellschaftliche Neuorientierung stark gemacht: „Ja, wir sind ein Zufluchtsland!“ist ein entsprechendes Positionspapier überschrieben, das in der Altmühlstadt zugleich als Eingangsimpuls des Fachtags diente. Der Freistaat sei geradezu als „Freistatt für Bedrängte prädestiniert“, heißt es dort unter anderem. Flüchtlinge (und diese Formulierung setzte sich an dem Fachtag durch) seien als Hoffnungsträger zu sehen.

So trugen es Gerhard Schleier (EBZ-Leiter und Landjugendpfarrer) und Brigitte Reinard (Erwachsenenbildnerin und Freiwilligenmanagerin) den knapp zwei Dutzend Teilnehmern vor, die von Eichstätt bis Schwabach angereist kamen. Die Dimension der Herausforderung machte Dr. Thomas Vogtherr deutlich, an der Regierung im Sachgebiet Flüchtlingsbetreuung tätig. Allein die Zahl der Asylerstanträge im Januar 2015 sei mit rund 20.000 schon höher als jene für das gesamte Jahr 2007. Wenn die Asylsuchenden dann erst einmal da sind, treffen sie oft auf einen engagierten Helferkreis. Wie etwa in Langenzenn, wo er von Pfarrerin Christine Heilmeier betreut wird. Er stemmte den Einzug der Hilfesuchenden in ein leeres Bürogebäude, „ein turbulenter und durchaus spannender Beginn“, so die Seelsorgerin. Mit vereinten Kräften (80 Personen standen auf der Liste ehrenamtlicher Helfer) gelang es, den Alltag dort zumindest zu strukturieren.

Über ähnliche Erfahrungen konnte Leonhard Weiß berichten, Sprecher des Helferkreises in Roth. Auf sehr positives Echo sei die Einrichtung eine Asylcafé gestoßen, das nicht nur dem Austausch auf verschiedenen Ebenen, sondern etwa auch der Hausaufgabenbetreuung diene. Wichtig sei es, den Hilfesuchenden nicht Alles abzunehmen, sondern nach der Devise zu verfahren: „zeigen, nicht machen!“ Egal ob beim Rezept holen in der Apotheke oder beim Lösen der Zugfahrkarte am Automat. Das Engagement für die Flüchtlinge lasse auch eine Kultur des Füreinander-da-seins hierzulande neu aufleben. Eine Vernetzung über alle Grenzen hinweg sei zu beobachten, so entstehe „eine neue Form von Gemeinschaft – ein sehr beglückendes Erlebnis!“

Weiß dachte auch schon weiter: „Das ist ein Schritt in die Richtung einer idealen Gesellschaft, wie ich sie mir vorstelle!“ Auch die Ausführungen von Ingrid Simonis zielten in eine ähnliche Richtung. Die Verwaltungsangestellte beim Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie leitet als geprüfte Lernbegleiterin Alphabetisierungskurse für die Buben und Mädchen der Asylbewerber und konnte am Fachtag so manches Vorurteil entkräften. So schnitten Flüchtlingskinder tendenziell bei Tests nicht schlechter ab als andere, sondern legten vielmehr große Motivation an den Tag. Soziale Benachteiligung wirke sich allerdings auch hier aus – was aber bei deutschen Familien nicht anders sei. Eine skeptische Haltung der Asylbewerber gegenüber unserer Kultur sei nicht der Regelfall, ihre Kinder wiederum lernten sehr schnell deutsch und würden dann oft als Übersetzter für ihre Eltern agieren.

Am Ende des Fachtags oblag es dann Reinard, angesichts der Fülle der Herausforderungen die Ehrenamtlichen vor Selbstüberforderung zu warnen. Deswegen sei eine professionelle Koordination und Begleitung eines Helferkreises nötig, der zudem gut vorbereitet sein will. Auch der Fachtag selbst konnte eine solche Hilfestellung geben, ein weiterer soll sich Ende Oktober anschließen. Einen interessanten Abschlussimpuls gab der Landjugendpfarrer auch noch mit auf den Weg: Der Nationenbegriff, so betonte Schleier, sei nicht hilfreich für die integrative Arbeit. Vielleicht solle man jenseits aller Grenzen von einem „Volk Gottes“ sprechen, das die Suche nach Ihm zusammenbindet. Der Glaube selbst solle zu einer „selbstverständlichen Mitmenschlichkeit hintragen“ – und dann seien Sprache und Nation egal.

TEILEN: Share on FacebookShare on Google+Tweet about this on TwitterShare on LinkedInPin on PinterestDigg thisPrint this pageEmail this to someone