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Individuelle Wege für benachteiligte Jugendliche

Jugendwerkstätten wie die der ELJ in Langenaltheim leisten Beachtliches. Sie schaffen es, aus Jugendlichen, denen das Prädikat „Nicht ausbildungsfähig“ anhaftet, den Einstieg ins Berufsleben und damit Lebensperspektive zu bieten. Doch die Finanzierung dieses Erfolgsmodells ist in Gefahr. Bei einem Fachtag der Evangelischen Jugendsozialarbeit (EJSA) in der LVHS Pappenheim wurden Lösungsansätze gesucht.

Gunhild Riehl-Knoll, Leiterin der ELJ-Jugendwerkstatt Langenaltheim, wird nicht müde, Geschichten von Jugendlichen zu erzählen, die es geschafft haben - Jugendliche, häufig ohne Schulabschluss, manche mit bereits gescheiterten Berufsausbildungen, einige mit Alkohol-, Drogenproblemen oder einer Kriminalitätskarriere. Jugendliche, denen es auch an sozialer Kompetenz fehle: „Wir hatten Jugendliche, die mussten wir erst mal in der Früh besuchen und aufwecken, damit sie überhaupt in die Arbeit kamen“, schildert Sozialpädagogin Annette Pappler, doch auch aus denen sei etwas geworden.

„Beziehungen lernen“, erklärt Riehl-Knoll die pädagogische Herausforderung, „schließlich sind wir genauso wie die ELJ ein Teil der Jugendhilfe“. Rund 60 Prozent aller Teilnehmer schaffen mit Hilfe der Jugendwerkstätten den Start ins Berufsleben.

Mit der Neuordnung der Arbeitsmarktförderungsinstrumente durch die Bundesregierung wurde jedoch eine der wichtigsten Finanzierungsgrundlagen gekappt. Früher konnten ABM-Maßnahmen oder auch 1-Euro-Jobs mit den Angeboten der Jugendhilfe kombiniert und eine solide finanzielle Grundlage für die Arbeit geschaffen. Weil diese jetzt wegfallen, haben die Jugendwerkstätten ein Problem.

Dass die Jugendwerkstätten erhalten bleiben sollen, darüber bestand Einigkeit. Nur über das „Wie“ der Finanzierung waren Isabella Gold (Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung), Klaus Beier (Agentur für Arbeit), Birgit Löwe (Diakonisches Werk), Dr. Christoph Prechtl (Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft), Dr. Hans-Gerd Bauer (Landesjugendpfarrer, EJB) und Gunhild Riehl-Knoll auf dem Podium der EJSA-Jahrestagung in Pappenheim uneins. Alle Parteien arbeiteten ernsthaft daran, einen Kooperationsvertrag auszuhandeln, deutlich wurde jedoch auch, das bis dahin noch ein Stück Arbeit vor den Beteiligten liegt.

Ein zusätzlicher Schritt könne jedoch mit der Wirtschaft gegangen werden, betonte Christof Prechtl. Er bot die Hilfe seines Verbandes an, auch mit Wirtschaftszweigen Kontakte zu schließen, denen die Ausbildung benachteiligter Jugendlicher noch unbekannt sei. „Vielleicht kommen wir in ein paar Jahren dahin, dass Betriebe für jeden in der Jugendwerkstatt ausgebildeten Jugendlichen zahlen.“ – eine Finanzierung, die auch in Zeiten knapper Staatsfinanzen tragen kann.

01.02.2012 21:06 Alter: 107 Tage