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EU-Kommissar Ciolos: „Mut, ein wichtiges Thema aufzugreifen“

Auf der Grünen Woche kämpft die ELJ-Bundesorganisation "ejl" gegen Lebensmittelverschwendung. Im Brennpunkt des Geschehens: Das ELJ-Team aus Ober- und Unterfranken.

"Ihr geift ein wichtiges Thema auf" - EU Kommissar Ciolos am Stand der ejl

Dacian Cioloş  brachte es nicht über das Herz, die Tüte mit Milch in den Mülleimer zu werfen: „Lebensmittel gehören nicht in die Tonne!“ Bei seinem Rundgang über die Internationale Grüne Woche machte der EU-Kommissar Station am Stand der Evangelischen Jugend in ländlichen Räumen (ejl), die mit einer spektakulären Aktion auf die Verschwendung von Nahrungsmitteln aufmerksam machte. Aus Pappmaché hatten die Jugendlichen Lebensmittel nachgebaut, die mit gezieltem Wurf in einer Mülltonne entsorgt werden sollten.

Cioloş lobte den Mut, ein solch kritisches Thema wie die Verschwendung von Lebensmitteln aufzugreifen. Für Sonja Endres, ehrenamtliche ejl-Beauftragte der Evangelischen Jugend in Deutschland ist es protestantische Verantwortung, gerade auch auf der „Fressmeile“ Grüne Woche die Verantwortung der Konsumenten zu thematisieren. Und das tut Not.

„Allein in Deutschland landen über 20 % aller Lebensmittel im Müll, rund 250 Kilo pro Einwohner“, schildert Sonja Endres und verweist auf Studien der Welternährungsorganisation (FAO). Weltweit würde die weggeworfene Nahrung locker ausreichen, um den Hunger in den Entwicklungsländern zu stillen. „Das kling jetzt abstrakt, aber wenn man mit offenen Augen abends durch unsere Supermärkte geht und dann die Bilder von hungernden Kindern in Äthiopien im Kopf hat, merkt man, dass das so nicht geht.“

Doch die ejl will mehr als anklagen. Zwar sei es richtig, dem Verbraucher die Lebensmittelverschwendung vor Augen zu führen, sagt ejl-Bildungsreferentin Tanja Rupprecht, doch müsse man auch Alternativen aufzeigen. So versorgt sie die Besucher mit Rezepten zur Resteverwertung, klärt über das Mindesthaltbarkeit auf oder verteilt Einkaufszettel – denn: „Spontane Lustkäufe landen besonders häufig im Müll!“

Neben den Verbrauchern will die ejl auch Handel und Produzenten in die Pflicht nehmen. Über 30 Prozent der Lebensmittel würden schon bei der Produktion aussortiert. Kartoffeln, die zu groß oder zu klein seien, Tomaten die nicht den richtigen Rotton hätten, oder Gurken, die zu krumm sind, fänden keinen Abnehmer und landeten im Müll. Im Supermarkt gehe die Verschwendung dann weiter. Produkte würden schon vor Ende des oft ohnehin viel zu kurzen Mindesthaltbarkeitsdatums aus den Regalen genommen und weggeworfen.

Von Landwirtschaftsministerin Aigner fordern die Jugendlichen, das Mindesthaltbarkeitsdatum dahingehend zu verändern, dass es nicht mehr als Ausschlusskriterium an der Ladentheke wirke. Doch die Schlüsselrolle habe der Verbraucher. „Mit seiner Kaufentscheidung kann er mehr bewirken als die Politik“.

22.01.2012 11:02 Alter: 32 Tage